Rollen

Planer & Konstrukteure für Solarprojekte: Das unterschätzte Nadelöhr

6 Min. Lesezeit Stand: 15. Juni 2026

Wenn Solarunternehmen über ihren Fachkräftemangel sprechen, fallen immer wieder dieselben Namen: Monteure, Elektriker, Dachdecker. Verständlich — denn ohne Hände auf dem Dach entsteht keine installierte Leistung. Doch die eigentliche Engstelle liegt oft früher: im Büro, am CAD-Bildschirm, in der Projektierung. Planungsstaus, die sich Woche für Woche auftürmen, bremsen jeden einzelnen nachgelagerten Schritt — und damit Ihren gesamten Durchsatz.

Dieser Artikel beleuchtet die Rollen, die im Verborgenen arbeiten und trotzdem über Tempo und Volumen Ihrer Projektpipeline entscheiden: PV-Planer, Projektierer und Elektrokonstrukteure. Und er erklärt, warum Sie diese Spezialisten über klassische Stellenanzeigen kaum erreichen werden.

Das unterschätzte Nadelöhr: Planung vor der Baustelle

Deutschland hat Ende 2025 rund 117–118 GW installierte Solarleistung erreicht — bei einem gesetzlichen Ausbauziel von 215 GW bis 2030 (BSW-Solar, Bundesnetzagentur). Um dieses Ziel zu erreichen, sind jährlich rund 20 GW Zubau nötig. Jedes dieser Projekte — ob Aufdach-Anlage, Freifläche oder Gewerbedach — durchläuft zwingend eine Planungs- und Konstruktionsphase, bevor der erste Schrauber den Fuß auf das Dach setzt.

Fehlt an dieser Stelle eine qualifizierte Fachkraft, stehen nicht nur eine Baustelle, sondern womöglich fünf, zehn oder zwanzig Projekte gleichzeitig auf Eis. Ein einziger ungeplanter Abgang in der Projektierung kann das gesamte Quartalsziel gefährden. Trotzdem fließt in die Suche nach diesen Profilen deutlich weniger Aufmerksamkeit als in die Monteursrekrutierung.

Die Rollen im Überblick

PV-Planer und Projektierer

Der PV-Planer — manchmal auch Projektierer oder Solar-Planungsingenieur genannt — verantwortet die technische Auslegung einer Anlage von der ersten Skizze bis zur Netzanmeldung. Zu seinen Kernaufgaben zählen:

  • Standortanalyse und Ertragssimulation: Berechnung der zu erwartenden Jahreserträge auf Basis von Einstrahlungsdaten, Verschattungsanalysen und Modulausrichtung — in der Regel mit PV*SOL oder PVsyst, den beiden marktführenden Simulationsprogrammen.
  • System-Layout: Strangkonfiguration, Wechselrichterauswahl, DC-/AC-Verkabelungsführung, Überwachungskonzept.
  • Genehmigung und Netzanmeldung: Koordination mit Netzbetreibern, Erstellung von Einspeiseanträgen, Einspeisung ins Marktstammdatenregister, Abstimmung mit Baubehörden bei Freiflächen.
  • Dokumentation: Bestandspläne, Inbetriebnahmeprotokolle, Anlagendokumentation für den Kunden.

Laut Gehaltsplattform energiewirtschaft-gehalt.de liegt der Median für Elektroplaner Photovoltaik in Deutschland 2026 bei rund 66.000 € brutto/Jahr, mit einer Spanne von etwa 52.000 € (Einstieg) bis 88.000 € (Senior). Auf Indeed werden für Planer Photovoltaik deutschlandweit im Schnitt rund 52.000 € ausgewiesen — je nach Region und Erfahrungsniveau erheblich variierend.

Elektrokonstrukteur Photovoltaik

Während der PV-Planer die Anlage als System denkt, spezialisiert sich der Elektrokonstrukteur auf die elektrische Detailkonstruktion. Er erstellt:

  • Strangpläne und Schaltpläne für DC- und AC-seitige Komponenten
  • Schaltschrankplanungen (Übergabeschränke, Netzschutzrelais, Messtechnik)
  • E-Planungsdokumente nach geltenden Normen (DIN VDE 0100, VDE-AR-N 4105 für Niederspannung, VDE-AR-N 4110 für Mittelspannung)

Das bevorzugte Werkzeug in diesem Bereich ist EPLAN Electric P8 — der de-facto-Standard für professionelle Elektrokonstruktion. Daneben kommen AutoCAD Electrical und zunehmend BIM-fähige Lösungen zum Einsatz. Wer beide Tools beherrscht und dabei Normenkenntnis mitbringt, ist auf dem Arbeitsmarkt entsprechend begehrt.

TGA- und Elektroplanung im Gewerbe- und Industriekontext

Komplexere Vorhaben — Industrie-PV, Eigenverbrauchsanlagen mit Lastmanagement, Speichersysteme, Ladeinfrastruktur — erfordern zusätzlich Fachleute aus der technischen Gebäudeausrüstung (TGA), die Energiemanagement, Messung und Steuerung (MSR) sowie Wärme-Strom-Kopplung in die Planung integrieren. Diese Schnittstelle ist besonders komplex und entsprechend rar besetzt.

45.000–55.000 Elektriker fehlen bundesweit — ein Rekord (ZVEI/ZDH). Wer PV-taugliche Planungsspezialisten sucht, fischt in einem bereits leergefischten Teich.

Warum diese Profile so schwer zu finden sind

Das Engpassproblem bei Planern und Konstrukteuren hat mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken:

  • Hochspezialisiertes Nischenwissen: Die Kombination aus Energietechnik, Simulationssoftware, Normenkunde und behördlichen Prozessen ist weder in der Ausbildung noch im Studium standardmäßig verankert. Dieses Wissen entsteht überwiegend durch jahrelange Praxis in der Branche.
  • Geringe Ausbildungsvolumina: Die Zahl der Absolventen mit einschlägigem Profil (Elektrotechnik-Ingenieure, Techniker mit Schwerpunkt Energietechnik, EPLAN-zertifizierte Konstrukteure) ist begrenzt — und wird durch den demografischen Wandel weiter schrumpfen. Laut Statistischem Bundesamt erreichen in den nächsten 15 Jahren rund 13,4 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter, ohne dass ausreichend Nachwuchs nachrückt.
  • Harter Wettbewerb quer über Branchen: Elektrokonstrukteure werden nicht nur von Solarunternehmen gesucht, sondern auch vom Maschinen- und Anlagenbau, der Automatisierungstechnik und der klassischen Energiewirtschaft. Der Markt für diese Profile ist branchenübergreifend leer.
  • Kaum aktive Jobsuchende: Gut qualifizierte Planer und Konstrukteure sitzen fest im Sattel. Sie werden nicht auf StepStone nach Stellen Ausschau halten. Über 70 Prozent der Fachkräfte gelten laut Studienlage als passiv Suchende — sie wechseln nur, wenn jemand aktiv auf sie zugeht.

„Ein Planungsstau von drei Wochen bedeutet drei Wochen weniger Baustelle — und damit drei Wochen entgangenen Deckungsbeitrag. Für jeden nachgelagerten Gewerbeauftrag.“

Hinzu kommt: Wer einen Bauleiter oder Projektleiter für fertig geplante Projekte sucht, wird ebenfalls gebremst, wenn die Planung hakt. Mehr dazu, wie sich dieser Dominoeffekt durch die gesamte Projektabwicklung zieht, lesen Sie in unserem Artikel zum Bauleiter und Projektleiter Photovoltaik.

Der Durchsatz-Hebel: Was eine besetzte Planungsstelle wirklich bewirkt

Eine unbesetzte Stelle kostet im Schnitt rund 29.000 Euro — so die Auswertung von StepStone und der Bundesagentur für Arbeit, bei einer durchschnittlichen Vakanzdauer von 102 Tagen. In der Planungsabteilung eines wachsenden Solarunternehmens sind die Opportunitätskosten jedoch noch deutlich höher: Projekte, die nicht aus der Planungsphase kommen, generieren keinen Umsatz — unabhängig davon, ob Monteure verfügbar wären.

100.000 zusätzliche Arbeitskräfte braucht die Solarbranche in Deutschland allein (EU-Solarakademie / Branchenangaben) — davon ein erheblicher Teil in technischen Planungs- und Konstruktionsfunktionen.

Das eigentliche Problem ist also nicht allein der Mangel, sondern die Schieflage in der Aufmerksamkeit: Viele Solarunternehmen investieren erhebliche Ressourcen in die Monteursgewinnung — eine richtige Entscheidung — aber vernachlässigen dabei die Planungsrollen, die den Monteuren erst Arbeit verschaffen. Wer beide Seiten der Pipeline im Blick hat, kann seinen tatsächlichen Durchsatz deutlich steigern. Welche strukturellen Kräfte hinter diesem branchenweiten Engpass stecken, analysiert unser Überblicksartikel zum Fachkräftemangel in der Photovoltaik ausführlich.

Warum Stellenanzeigen hier kaum funktionieren

Selbst wer die Rolle korrekt ausschreibt, stößt schnell an die Grenzen klassischer Recruiting-Kanäle. Ein erfahrener PV-Projektierer mit PVsyst-Expertise und Netzanmeldungserfahrung hat schlicht keinen Grund, aktiv auf Jobportalen zu suchen — er ist gefragt, gut bezahlt und kennt seine Marktstellung. Die Studie der Universität Bamberg zeigt: Rund die Hälfte der Beschäftigten zieht eine Direktansprache der eigenen Bewerbung vor; zwei von zehn Personen wechselten zuletzt, weil ein Unternehmen aktiv auf sie zuging — obwohl sie nicht suchten.

Was das für Ihre Situation bedeutet, wenn Sie generell keine PV-Fachkräfte über Anzeigen finden, lesen Sie in unserem Artikel „Gute Leute gibt es – sie bewerben sich nur nicht bei Ihnen“.

Fazit

Planer, Projektierer und Elektrokonstrukteure für Photovoltaikprojekte sind das Nadelöhr, über das kaum jemand spricht — obwohl sie über den tatsächlichen Projektdurchsatz eines Solarunternehmens entscheiden. Sie sind hochspezialisiert, branchenübergreifend begehrt, demografisch unter Druck und auf Jobportalen schlicht nicht anzutreffen. Der einzige Weg, diese Profile zu gewinnen, führt über die gezielte, diskrete Direktansprache: Wer weiß, wo diese Fachleute heute arbeiten, und sie mit dem richtigen Argument anspricht, öffnet eine Tür, die für Stellenanzeigen dauerhaft geschlossen bleibt. Gute Leute gibt es — sie bewerben sich nur nicht bei Ihnen.

Häufige Fragen

Ein PV-Planer benötigt typischerweise einen Abschluss in Elektrotechnik, Energietechnik oder Versorgungstechnik – alternativ eine Techniker-Ausbildung mit Schwerpunkt Energietechnik. Entscheidend sind Praxiserfahrung mit Simulationstools wie PV*SOL oder PVsyst sowie Kenntnisse der Netzanmeldungsprozesse und einschlägiger Normen (VDE-AR-N 4105, 4110). Dieses Wissen entsteht meist erst durch mehrjährige Berufspraxis.

Laut aktuellen Gehaltsauswertungen (energiewirtschaft-gehalt.de, 2026) liegt der Median für Elektroplaner im PV-Bereich bei rund 66.000 € brutto/Jahr. Einsteiger starten ab etwa 52.000 €, erfahrene Senior-Profile können 80.000 € und mehr erzielen. Die Gehälter sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen – weit über dem allgemeinen Lohnniveau.

Erfahrene PV-Projektierer kombinieren Spezialwissen aus Energietechnik, Simulation, Normenkunde und Behördenabläufen – eine Kombination, die weder in der Ausbildung noch im Studium standardmäßig vermittelt wird. Weil diese Fachleute entsprechend gefragt und fest angestellt sind, suchen sie kaum aktiv auf Jobportalen. Über 70 % aller Fachkräfte gelten als passiv Suchende (Studienlage); Stellenanzeigen erreichen sie deshalb kaum.

Durchschnittliche Vakanzdauern in Elektroberufen liegen laut ZVEI/ZDH regional bei 110–160 Tagen. Für spezialisierte Planungsprofile mit Software-Know-how und PV-Erfahrung kann sich die Suche deutlich länger hinziehen, wenn ausschließlich auf Stellenanzeigen gesetzt wird. Jeder unbesetzte Planungsmonat bedeutet konkret: weniger Projekte, die in die Bau- und Montagephase übergehen.

Ein Inhouse-Aufbau ist möglich, erfordert aber Zeit: Ein Junior mit Elektrotechnik-Studium braucht 12–24 Monate, um eigenständig Projekte planen und anmelden zu können. Für Unternehmen mit hohem Projektvolumen ist das ein sinnvoller langfristiger Ansatz – kurzfristig schließt er die Planungslücke jedoch nicht. Viele Unternehmen kombinieren daher einen erfahrenen Senior (Direktansprache) mit dem parallelen Aufbau von Juniorprofilen.

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