Praxis

Was eine unbesetzte PV-Stelle wirklich kostet: Vakanzkosten in der Solarbranche

5 Min. Lesezeit Stand: 15. Juni 2026

Eine offene Stelle ist kein stiller Posten in der Bilanz — sie kostet. Jeden Tag. Gerade in der Photovoltaik, wo Projekte getaktet sind, Lieferketten laufen und Kunden auf verbindliche Termine bestehen, schlägt jede unbesetzte Position direkt aufs operative Ergebnis durch. Das Problem ist nur: Die meisten Betriebe kennen die Zahl nicht. Sie spüren den Schmerz, können ihn aber nicht beziffern. Dieser Artikel ändert das.

Wer die tatsächlichen Kosten einer Vakanz kennt, versteht auch, warum Geschwindigkeit bei der Besetzung kein Luxus ist — sondern ein betriebswirtschaftlicher Imperativ.

Was eine unbesetzte Stelle im Schnitt kostet

29.000 € — das sind die durchschnittlichen Vakanzkosten pro unbesetzter Stelle in Deutschland laut einer gemeinsamen Erhebung von StepStone und der Bundesagentur für Arbeit.

Diese Zahl erschreckt viele Geschäftsführer beim ersten Hören. Dabei ist sie der Branchendurchschnitt über alle Berufsgruppen und Unternehmensgrößen hinweg. Für die Solarbranche, in der Fachkräfte hochspezialisiert sind und Projekte direkt von ihrer Anwesenheit abhängen, liegt die Realität häufig deutlich darüber.

Laut derselben Erhebung beträgt die durchschnittliche Vakanzdauer in Deutschland 102 Tage. In Elektroberufen — dem Kernberuf der PV-Installation — liegt diese Zeit regional zwischen 110 und 160 Tagen. Fünf Monate Wartezeit, in denen Ihre Baustelle auf eine Fachkraft wartet. Fünf Monate Verlust.

Wo das Geld wirklich verschwindet: die versteckten Kostentreiber

Der häufigste Fehler in der Kostenbetrachtung: Man rechnet nur den entgangenen Umsatz. Dabei sind die direkten Lohnkosten der kleinste Teil. Vakanzkosten betragen nach gängiger betriebswirtschaftlicher Einschätzung oft das Zwei- bis Vierfache der reinen Personalkosten — weil Opportunitäts-, Überstunden- und Verzögerungskosten hinzukommen.

Konkret entstehen in PV-Betrieben diese Kostenpositionen, sobald eine Stelle offen bleibt:

  • Entgangener Deckungsbeitrag: Eine unbesetzte Elektriker-Stelle kostet im Schnitt 800 bis 1.200 € entgangenen Deckungsbeitrag pro Tag — so kalkuliert die Branche, gestützt auf Erhebungen zu Elektroberufen. Eine vollständige Montagetruppe, die nicht komplett ist, kann keine Anlage abnehmen.
  • Verschobene Projekte und Vertragsstrafen: Wer einen PV-Auftrag nicht fristgerecht fertigstellt, riskiert Pönale. In gewerblichen Projekten sind Vertragsstrafen von 0,2–0,5 % der Auftragssumme pro Werktag keine Seltenheit. Eine einzige Verzögerung über vier Wochen auf einer 300.000-€-Baustelle kostet schnell mehrere tausend Euro — direkt wegen fehlender Kapazität.
  • Abgelehnte Aufträge trotz voller Pipeline: Das schmerzhafteste Szenario: Man muss Anfragen ablehnen, weil das Personal fehlt. Diese Opportunitätskosten tauchen in keiner Buchhaltung auf — und sind doch real.
  • Überlastung des bestehenden Teams: Wer fehlt, wird von Kollegen mitgetragen. Überstunden, Qualitätsverluste, steigende Kündigungsrisiken — die Last einer unbesetzten Stelle verteilt sich auf diejenigen, die noch da sind. Und treibt unter Umständen den nächsten Abgang voran.
  • Recruiting-Folgekosten: Stellenanzeigen, Agenturgebühren, interne Koordinationszeit. Wer über ein Portal schaltet und sechs Wochen wartet, zahlt zweimal: einmal für die Anzeige, einmal für die weitere Vakanz.

Das EY-Mittelstandsbarometer belegt die Tragweite auf volkswirtschaftlicher Ebene: Umsatzverluste durch unbesetzte Stellen kosten den deutschen Mittelstand über 50 Milliarden Euro pro Jahr. Photovoltaik-Unternehmen sind dabei überproportional betroffen — weil der Fachkräftemangel hier besonders strukturell ist. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie in unserem Artikel über den Fachkräftemangel in der Photovoltaik.

Rechenbeispiel: Was eine Elektriker-Vakanz über 102 Tage kostet

Das folgende Rechenbeispiel basiert auf den oben genannten Branchenzahlen. Es dient der Orientierung — die tatsächlichen Werte hängen vom Projekt, dem Tagessatz und der Teamstruktur ab.

  • Angenommene Vakanzdauer: 102 Tage (Bundesdurchschnitt laut StepStone/Bundesagentur für Arbeit)
  • Entgangener Deckungsbeitrag: 1.000 €/Tag (Mittelwert aus der Branchenspanne 800–1.200 €)
  • Direkte Opportunitätskosten: 102 × 1.000 € = 102.000 €
  • Recruiting-Aufwand (Anzeigen, Koordination): geschätzt 3.000–5.000 €
  • Mehrkosten für Überstunden / externe Unterstützung: geschätzt 5.000–10.000 €

Konservative Gesamtbetrachtung: über 110.000 € für eine einzelne Vakanz über drei Monate.

Selbst wenn man nur den reinen Deckungsbeitragsausfall ansetzt — und Vertragsstrafen, abgelehnte Aufträge und Teamüberlastung außen vor lässt — ist das Ergebnis eindeutig: Jeder Tag, an dem eine Stelle schneller besetzt wird, spart real Geld. Zehn Tage frühere Besetzung entsprechen bei diesem Satz rund 10.000 € — noch bevor eine Pönale droht oder ein Auftrag abgelehnt werden muss.

Warum Standardwege die Vakanzdauer verlängern

Das Modell der passiven Stellenausschreibung ist für die Solarbranche strukturell ungeeignet — nicht weil Jobportale schlecht wären, sondern weil die gesuchten Fachkräfte dort schlicht nicht zu finden sind. Laut einer Studie der Universität Bamberg ziehen rund die Hälfte der Beschäftigten eine direkte Ansprache einer eigenen Bewerbung vor. Zwei von zehn Fachkräften, die zuletzt gewechselt haben, taten das, weil sie aktiv angesprochen wurden — nicht weil sie gesucht hatten.

Das bedeutet: Wer ausschließlich auf eingehende Bewerbungen wartet, adressiert maximal die rund 8 Prozent der Fachkräfte, die aktiv suchen. Die anderen 92 Prozent — darunter viele der besten Köpfe — kommen nicht von allein. Warum das so ist und was das für Ihre Suche bedeutet, erklärt unser Artikel „Gute Leute gibt es — sie bewerben sich nur nicht bei Ihnen“.

8 % der Fachkräfte suchen aktiv — die restlichen 92 % müssen gezielt angesprochen werden.

Hinzu kommt: Elektroberufe haben eine Vakanzzeit von regional bis zu 160 Tagen über das Standardverfahren. Wer ausschreibt und wartet, zahlt den Preis — in Zeit und in Euro. Ein strukturierter Direktansprache-Prozess kann die Time-to-Hire signifikant verkürzen: Nicht durch Masse, sondern durch gezielte Ansprache latent wechselbereiter Kandidaten, die bereits beschäftigt sind und nicht aktiv suchen. Wie sich Direktansprache und Stellenanzeige konkret unterscheiden — und wann welches Instrument sinnvoll ist — zeigt unser Vergleich Stellenanzeige vs. Direktansprache.

Fazit

Eine unbesetzte PV-Stelle ist kein Verwaltungsproblem — sie ist ein täglicher Verlustposten. Mit durchschnittlich 29.000 € Vakanzkosten pro Stelle im Bundesschnitt und Deckungsbeitragsausfällen von bis zu 1.200 € pro Tag in Elektroberufen lässt sich der Schaden konkret beziffern. Für Solarunternehmen mit voller Pipeline und laufenden Projekten kommt der Druck aus Vertragsstrafen, abgelehnten Aufträgen und teaminterner Überlastung noch oben drauf.

Der wichtigste Hebel ist Geschwindigkeit — und Geschwindigkeit entsteht nicht durch das zehnte Schalten einer Stellenanzeige, sondern durch eine andere Methode: Gute PV-Fachkräfte sind beschäftigt. Sie bewerben sich nicht. Aber viele von ihnen sind latent wechselbereit — und reagieren, wenn sie diskret, gezielt und auf Augenhöhe angesprochen werden. Wer diesen Weg geht, besetzt Stellen schneller, zahlt weniger für die Vakanz — und gewinnt Leute, die der Wettbewerb nie zu Gesicht bekommt.

Häufige Fragen

Vakanzkosten umfassen alle direkten und indirekten Verluste, die entstehen, solange eine Stelle unbesetzt ist: entgangener Deckungsbeitrag, Recruiting-Aufwand, Mehrkosten durch Überstunden und externe Unterstützung sowie Opportunitätskosten durch abgelehnte Aufträge. Laut einer gemeinsamen Erhebung von StepStone und der Bundesagentur für Arbeit betragen die durchschnittlichen Vakanzkosten rund 29.000 € pro Stelle — oft das Zwei- bis Vierfache der reinen Personalkosten.

Die durchschnittliche Vakanzdauer in Deutschland liegt laut StepStone und der Bundesagentur für Arbeit bei 102 Tagen. In Elektroberufen, die für PV-Installationen zentral sind, liegt die Vakanzzeit regional zwischen 110 und 160 Tagen. Das entspricht bis zu fünf Monaten, in denen Projekte nicht planmäßig besetzt werden können.

Nach Branchenangaben zu Elektroberufen kostet eine unbesetzte Elektriker-Stelle im Schnitt 800 bis 1.200 € entgangenen Deckungsbeitrag pro Tag. Über eine typische Vakanzdauer von 102 Tagen summiert sich allein dieser Posten auf über 100.000 € — ohne Vertragsstrafen, Recruiting-Kosten oder Schäden durch Teamüberlastung.

Neben dem direkten Deckungsbeitragsausfall entstehen in PV-Unternehmen regelmäßig: Vertragsstrafen (Pönale) bei Projektverzögerungen, abgelehnte Aufträge trotz voller Pipeline, erhöhter Krankenstand und Kündigungsrisiko durch Überlastung des verbleibenden Teams sowie Recruiting-Folgekosten. Das EY-Mittelstandsbarometer beziffert die gesamtwirtschaftlichen Umsatzverluste durch Vakanzen im Mittelstand auf über 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Der wirksamste Hebel ist der Wechsel vom passiven Warten auf Bewerbungen zur aktiven Direktansprache. Da laut Studie der Universität Bamberg rund die Hälfte der Fachkräfte eine direkte Ansprache der eigenen Bewerbung vorzieht und nur rund 8 Prozent aktiv suchen, erreichen klassische Stellenanzeigen den Großteil der verfügbaren Kandidaten nicht. Gezieltes Active Sourcing spricht latent wechselbereite Fachkräfte direkt an und verkürzt die Time-to-Hire messbar.

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